Anna Wisinger, Peter Wisinger, 1935

AKTUELL IN ARBEIT

Buchprojekt: Goisern. Eine Ortsgeschichte

„Man lebt immer zwischen zwei Welten, zwischen zwei Strömungen, 
die miteinander ringen und nie endgültig
über die jeweils andere siegen.“
Eric Vuillard

Die Marktgemeinde Bad Goisern am Hallstättersee ist ein in vielerlei Hinsicht bekannter Ort. Man denkt an Urlaub, Sport, Bergwanderungen, den Musiker Hubert von Goisern oder die weltberühmten zwiegenähten Schuhe. Goisern steht darüber hinaus für Tradition, Handwerkskunst,  Musikalität und  – eine schöne Landschaft. Aber auch ganz andere Assoziationen sind mit dem Ort im Inneren des Salzkammerguts verbunden. Goisern wird oft mit den Begriffen „Widerständigkeit“ oder „Rückzugsgebiet“ in historischen Zusammenhang gebracht, durchaus politische Kategorien des Selbstverständnisses der Bewohner bis heute. In den Erzählungen der Einheimischen, aber auch der Auswanderer und der vielen Besucher schwingt mitunter eine Sehnsucht mit, die weit mehr als die Postkartenidylle der Dachstein-Region meint. Viele der Menschen, die hier lebten und fortgingen, kehrten oftmals wieder zurück. Wie in der Liebesballade „Goisern, allweil wieder muaß i z’ruck zu dir“ beschrieben, ist Goisern Heimat und Fluchtort zugleich. Die Forschungsarbeit setzt sich mit der Geschichte eines oberösterreichischen Orts auseinander, dessen Zeitgeschichte bislang wenig erforscht wurde. Die Wahl von Goisern als exemplarische „Ortsgeschichte“ der Jahre 1900 bis 1950 hängt mit der Verbundenheit der Autorin mit dem Ort zusammen, dies ermöglicht den Zugang zu Erinnerungen, die noch nie dokumentiert wurden. Die Forschungsarbeit reflektiert alltagsgeschichtliche Erinnerungen, familiengeschichtliche Erzählweisen und gibt auf unterschiedlichen Ebenen Einblick, wie in dem Mikrokosmos einer ländlichen Gesellschaft totalitäre, autoritäre und faschistoide Politiken entstanden.

Fertigstellung: 2021

Projekt: Schattenseiten der Fürsorgeerziehung
Die Wiener Heime der Volkshilfe

Die von der Volkshilfe betriebenen Kinderheime Altenberg und Pitten sind im Zuge der Aufarbeitung der Geschichte der Kinderheime immer wieder in Zusammenhang mit Gewalt und Missbrauch genannt worden. Die Volkshilfe hat daher ein Forschungsteam beauftragt, eine sozialhistorische Untersuchung dieser Heime durchzuführen. Zentrale Aufgabe des Forschungsteams ist die Erstellung einer Studie, die sich nicht nur der Aufklärung und Aufarbeitung der Thematik Gewalt und Missbrauch widmet – sondern auch deren Ursachen und Verantwortlichkeiten beforscht. In die Arbeit einfließen sollen der Stand der Forschung, Grunddaten zur Volkshilfe und zur Fürsorgestruktur in Wien sowie zahlreiche Narrativerzählungen der ehemaligen Heimkinder und anderer Zeitzeugen. Die Lebensumstände der Betroffenen sollen aus einer Eigenperspektive heraus erkennbar gemacht werden. Auch der Frage des langen Zeitraums des Verschweigens der Vorgänge soll nachgegangen werden.

Forschungsteam: Dr. Michael John (Linz), Dr. Marion Wisinger (Wien), Dr. Siegfried Göllner (Wien)

Fertigstellung: März 2021

ABGESCHLOSSENE PROJEKTE 

Projekt: Studie über Gewalt und Missbrauch in den Heimen der Caritas Oberösterreich

Die Caritas Oberösterreich unterstützt die Aufarbeitung der massiven Vorwürfe bezüglich Gewalt und Missbrauch in ihren Heimen und Einrichtungen. Das Projekt setzt sich mit den Gründen und Bedingungen von Gewalt in den Einrichtungen der Caritas von 1945 bis in die Gegenwart auseinander. Die auf ereignisgeschichtlicher und struktureller Ebene durchgeführte Forschungsarbeit soll im Besonderen wesentliche Fragen nach der Verantwortung und den Ursachen der Entwicklung von fortdauernder Gewalt in den Heimen der Caritas beantworten. Die unmittelbar aus der Zeit des Nationalsozialismus bis weit in die Zeit danach vorherrschenden abwertenden Haltungen in Bezug auf Randgruppen und die im Graubereich agierenden kirchlichen Einrichtungen im Zusammenspiel mit Politik und Verwaltung bedürfen daher dieser vertiefenden Betrachtung bis in die Gegenwart. Die hier intendierte Forschungsarbeit soll die durch den sogenannten Heimskandal bekannt gewordene Parallelgesellschaft der Kinder- und Behindertenheime in Österreich aufarbeiten, Verantwortlichkeiten aufzeigen und die Konstanten von Gewaltausübung gegen bestimmte stigmatisierte Personengruppen unter bestimmten Voraussetzungen benennen. 

https://www.caritas-linz.at/fileadmin/storage/oberoesterreich/aktuell/ueber_uns/Caritas-Verantwortung-und-Aufarbeitung.pdf

Endbericht Kommission Wilhelminenberg 

Im Zuge der historischen Aufarbeitung der Heimerziehung in Wien in der Nachkriegszeit wurden gravierende Vorwürfe gegen das Heim der Stadt Wien, Schloss Wilhelminenberg (das 1977 geschlossen wurde) erhoben. Die Vorwürfe betrafen organisierte Vergewaltigung sowie andere Formen schwerer physischer und psychischer Gewalt. Die Stadt Wien setzte die Kommission mit dem Auftrag ein, die erhobenen Vorwürfe aus Sachverständigensicht hinsichtlich individueller und institutioneller Verantwortung zu prüfen und einen Bericht über das Ergebnis der Untersuchung zu erstellen.

Wissenschaftliche Koordination: Dr. Marion Wisinger

Mitglieder der Kommision: Dr. Barbara Helige (Vorsitzende), Dr. Michael John (stellvertr. Vorsitzender), HR Dr. Helge Schmucker, DDr.Gabriele Wörgötter

Endbericht der Kommission Wilhelminenberg, Juni 2013 – http://www.kommission-wilhelminenberg.at/presse/jun2013/Bericht-Wilhelminenberg-web_code.pdf

Forschungsbericht: Das Wiener Kinderheim Hohe Warte in der Zeit des Nationalsozialismus und der Nachkriegsjahre. Verortung und Rekonstruktion. 

Im Auftrag von Zukunftsfonds der Republik Österreich, Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus, Stadt Wien, MA11 

Projektleitung:  a. Univ.Prof. Dr. Michael John, Dr. Marion Wisinger 

Fertigstellung: September 2017 

Text auf Anfrage wisinger@aon.at